ZDF-Moderatorin Dunja Hayali an der LMS

Dass Dunja Hayali nicht verraten würde, welcher Partei sie bei den kommenden Bundestagswahlen ihre Stimme gibt, war abzusehen. Aber mit ihrer Antwort auf diese Frage hatte sie die Sympathien der rund 100 Schüler*innen sofort gewonnen: Sie engagiere sich für Politik, aber nicht für Parteien. Die Chance, wählen zu gehen, solle jede*r wahrnehmen und sich wie sie per Wahl-O-Mat oder Parteiprogramme informieren. Und nein, kein Journalist sei objektiv, denn jeder haben einen Background – Familie, Freunde, Sozialisation – , aber jeder solle neutral in seiner Arbeit bleiben. Eine Haltung zu grundsätzlichen Fragen wie Menschenrechte oder Rassismus sei unerlässlich, davon zu unterscheiden seien Meinungen, die in der journalistischen Tätigkeit nichts zu suchen hätten.
Themen wie die Rolle der Medien bei der politischen Meinungsbildung in einer demokratischen Gesellschaft, Themenauswahl in den öffentlich-rechtlichen Medien und Mediennutzung bei Jugendlichen von TV und Zeitung über Facebook bis hin zu Nachrichten-Apps standen im Vordergrund einer eineinhalbstündigen Veranstaltung, die mit reichlich Verspätung begann; denn Dunja Hayali kam direkt von der Morgenmagazin-Moderation und erklärte während ihrer Fahrt nach Neukölln per Twitter: „Sorry! Wir hatten noch eine lange Besprechung… Ich bin jetzt unterwegs und werde um 10.43 Uhr ankommen laut Navi.“ Mit Aussagen wie „Jede Quote, egal ob Frauen- oder Einschaltqote, ist ein Miststück, wir sollten uns von Quoten fernhalten“ oder „Zu fordern, Politiker aufzuhängen, ist indiskutabel, aber wir können sie abwählen“ hatte sie die Lacher auf ihrer Seite und zeigte sich nachdenklich bei der Frage, warum in den Nachrichten so viel Negatives Berücksichtigung finde: „Vielleicht kommen die Leute besser durchs Leben, die keine Nachrichten sehen.“ Und Kritikern vom rechten Rand hielt sie entgegen: „Ihr könnt eine eigene Meinung haben, aber nicht eure eigenen Fakten.“ Auch künftig wolle sie AfD-Sympathisanten und Mitgliedern auf Kundgebungen und bei Demos treffen, mit ihnen diskutieren und Argumente tauschen. Ihre Haltung zu Meinungsfreiheit und deren Grenzen brachte sie schon in einer Dankesrede zu Jahresanfang anlässlich der Verleihung der Goldenen Kamera in der Sparte „Beste Information“ zum Ausdruck: “Mich interessieren andere Meinungen, andere Argument. Aber was da abgeht, ist mit Verrohung von Sprache überhaupt nicht mehr zu beschreiben. Bedrohungen, Beschimpfungen, Vergewaltigungswünsche. Keiner hört keinem mehr zu, Worte werden einem im Munde verdreht, aus dem Zusammenhang gerissen. Und wenn man nicht die Meinung des Gegenübers widerspiegelt, dann ist man ein Idiot, ein Schlampe, ein Lügner oder total ferngesteuert. Ich weiß dass diese Erfahrungen auch andere Menschen machen, und das Schlimme daran ist, dass dieser Hass sich jetzt auch auf der Straße widerspiegelt. Journalisten werden angegriffen. Mir hat letztens jemand nach dem Einkaufen ins Gesicht geschrien: „Du Lügenpresse, du Lügenfresse!“ Das macht keinen Spaß. Glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendwas bringt, dieser ganze Hass bei der Suche nach Lösungen, bei dem Ringen nach Kompromissen, bei der Art der Berichterstattung über Flüchtlinge? Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde und streiten Sie mit uns, weisen Sie uns auf Fehler hin, wir sind Journalisten, keine Übermenschen! Wir machen Fehler, deswegen sind wir aber noch lange keine Lügner! … In einem Land, in dem die Meinungsfreiheit ein so hohes Gut ist, darf und muss jeder seine Sorgen und Ängste äußern, ohne gleich in die rechte Nazi-Ecke gestellt zu werden. – Aber wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt noch mal ein Rassist, fertig, und das müssen auch ertragen können. … Ich hatte eigentlich nur eine Bitte, seien Sie offen, bleiben Sie fair, differenzieren Sie! Wahrheit braucht einfach Zeit!“
Text: It