Projekttag „Ernährungsprobleme in einer globalisierten Welt“

Rund 7,5 Milliarden Menschen leben heute auf unserer Erde, tendenziell wird die Weltbevölkerung weiter ansteigen. Etwa 80 Millionen Menschen, also fast jeder Zehnte, leidet unter Hunger, vor allem in Afrika und Asien. Und wir in der westlichen Wohlstandswelt? Es ist keine Übertreibung festzustellen, dass wir im Überfluss der prall gefüllten Supermarktregale leben. Ja, wir werfen sogar Lebensmittel weg.

Können wir so weiterleben oder muss sich etwas ändern? Kann eine wachsende Weltbevölkerung überhaupt ernährt werden?  Funktioniert dies ohne Gentechnik und die Agrarindustrie? Was hat mein Ernährungsverhalten mit Hungerproblemen oder dem Klimawandel zu tun, gibt es einen Zusammenhang mit dem Bienen –oder Insektensterben?

Bei unserem Projekttag rund um das Thema Ernährung versuchten 1400 Schüler*innen Antworten auf wissenschaftliche, politische und ethische Fragen von Hochschullehrerinnen und Industrievertretern, von NGOs wie Greenpeace oder NABU, staatlichen Einrichtungen wie dem Institut für Risikoforschung oder einfach ganz praktische Tipps für eine gesunde Ernährung zu erhalten.

In den mehr als dreißig Veranstaltungen war einiges zu lernen. Der Mediziner Prof. Dr. Andreas Michalsen vom Immanuel Krankenhaus führte aus, dass statistisch betrachtet 39 % aller Erkrankungen durch falsche Ernährung ausgelöst werden, und dass die Übergewichtigkeit zunimmt, wie Zahlen aus den USA etwa belegten. Hier litten 2012 über 30 % der Bevölkerung an Adipositas. Sein Tipp: selber kochen; und er stellte fest, dass der Verzehr von nur einer Pizza den Kalorienbedarf eines Tages bereits deckt.

Sein Statement: „Was für Lebensmittel weltweit produziert werden, entscheidet jeder einzelne mit jeder Mahlzeit.“

Frau Dr. Buchholz von der Bayer AG stellte in ihrer Präsentation „Mit Wissenschaft gegen Hunger und Unterernährung“ das öffentlich umstrittene Selbstverständnis ihres Unternehmens vor. Innovation braucht die Chemie, die die Landwirtschaft resistent machen soll. Nur so könne die Lebensmittelqualität gesichert werden. Ihre Position bezüglich der Grundsatzfrage, welche Landwirtschaft praktiziert werden soll, liest sich so:

„Eine wachsende Weltbevölkerung ohne Chemie und Pflanzenschutzmittel zu ernähren, wird nicht möglich sein.“

Prof. Dr. Gudrun Kammasch, Chemikerin an der Berliner Beuth-Hochschule beantwortete die Frage, wie viele Menschen unsere Erde ernähren kann anders. Sie plädierte für Nachhaltigkeit etwa durch die Reduktion der Fleischproduktion. Es gibt tatsächlich globale Grenzen der Nahrungsmittelproduktion aufgrund der begrenzten Ackerflächen, wobei allein 10 Millionen Hektar durch Erosion verloren gingen.

Ist Glyphosat tatsächlich krebserregend? Ja und nein, ist wohl die Antwort. In dem spannenden Beitrag von Jürgen Thier-Kundke (Bundesinitiative für Risikobewertung, BfR) wurde deutlich, wie komplex eine Risikobewertung wissenschaftlich tatsächlich ist und wie ungenau – „ideologisch“ – die Medien mit dieser Frage umgegangen sind. Ergebnisse, die auf Untersuchungen basieren sind, durchaus vorläufig, die Kriterien für Risikobewertungen müssen immer mitgedacht werden. Geräucherter Schinken und Wurst könne laut Thier-Kundke genauso gut als krebserregend eingestuft werden wie das Pflanzenschutzmittel.

Sollten wir also alle vegetarisch leben und auf die Berliner Spezialität, Currywurst mit Pommes, immerhin 940 Kalorien pro Verzehr, verzichten?  Wie sieht es mit den in der Werbung angepriesenen Nahrungsergänzungsmitteln aus? Laut Referentin PD Dr. Karin Hirsch-Ernst (Bundesinitiative für Risikobewertung, BfR) ein riesiger, kaum überschaubarer Markt mit einem lockeren gesetzlichen Rahmen. Vorsicht ist geboten.

Der Projekttag hat zentrale, auch kontroverse Problemfelder aufgetan und konnte unser Bewusstsein für Ernährungsfragen schärfen.

it/sch